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Currywurst-Krieg: Berlin vs. Duisburg

Berlin oder Duisburg? Ein fiktives Interview zur Currywurst-Erfindung, mit Fakten, Zahlen und dem ewigen Städtestreit.

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Currywurst-Krieg: Berlin vs. Duisburg

Am 4. September ist Tag der Currywurst – zumindest in Berlin. Duisburg feiert am 22. September. Zwei Städte, zwei Daten, eine Legende. Wir haben uns die Frage vorgenommen, die ganz Deutschland spaltet, und sie im Interview-Format durchgespielt. Fiktiv, aber fair.

Currywurst mit Pommes auf einem Pappteller

Frage: Wer hat die Currywurst wirklich erfunden?

Berlin sagt: Herta Heuwer, 1949, Charlottenburg. Sie mischte Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und ein paar Gewürze zu einer Sauce, die sie über gebratene Brühwurst goss – und nannte das Ergebnis später "Chillup". 1959 ließ sie sich die Rezeptur patentieren. Fertig ist der Mythos.

Duisburg kontert: Ein Imbissbetreiber namens "Peter Pomm" soll das Gericht angeblich schon 1936 in seiner "Puszettenstube" serviert haben – 13 Jahre vor Heuwer. Klingt nach einem starken Konter, oder? Das Problem: Belege dafür sind dünn gesät. Kein Patent, keine Zeitungsanzeige, nichts, das sich seriös nachprüfen lässt. Der Ruhrpott-Stolz bleibt davon unbeeindruckt.

Frage: Warum ist Berlin die offizielle Hauptstadt?

Weil die Fakten nun mal für Berlin sprechen – zumindest die dokumentierten. Seit 2003 erinnert eine Gedenktafel an Herta Heuweres Imbiss, 2019 wurde sogar ein eigenes Currywurst-Denkmal in Berlin enthüllt. Der 4. September gilt seitdem offiziell als Tag der Currywurst. Es gab sogar mal ein Currywurst-Museum in Berlin – das musste allerdings 2018 aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Selbst Legenden sind nicht vor der Miete sicher.

Frage: Und was ist mit der Literatur?

Guter Punkt. 1993 veröffentlichte Uwe Timm seine Novelle "Die Entdeckung der Currywurst", die die Erfindungsgeschichte literarisch verarbeitet und fiktionalisiert – ein Zeichen dafür, wie tief die Currywurst längst in der deutschen Kulturgeschichte verankert ist. Ob Roman oder Realität: Die Wurst hat es bis in die Belletristik geschafft, während sich zwei Städte noch immer um ihre Herkunft streiten.

Frage: Wie viel Currywurst isst Deutschland eigentlich?

Richtig viel. Schätzungen gehen von rund 800 Millionen verkauften Currywürsten pro Jahr aus, verteilt auf etwa 15.000 Imbissbuden bundesweit, die die Wurst im Sortiment haben. Der Preis pro Portion liegt meist zwischen 2,50 und 4 Euro – für ein Streetfood-Gericht, das komplett ohne Marketing-Budget zur Institution wurde.

Frage: Wer macht die beste Currywurst?

Ehrlich? Da mischt sich jeder ein. In Berlin gelten Konnopke's, Curry 36 und Knut als die bekanntesten Adressen, alle mit eigener Fangemeinde und eigener Sauce-Philosophie. Im Ruhrgebiet ist die Tradition genauso lebendig, nur weniger touristisch inszeniert. Am Ende zählt nicht das Gründungsjahr, sondern der erste Biss.

Frage: Kann man Currywurst eigentlich selbst machen?

Klar, und es lohnt sich. Der Trick liegt weniger in der Wurst als in der Sauce. Eine gute Currywurst-Sauce beginnt mit Tomatenmark, das kurz angeröstet wird, bevor Brühe, ein Schuss Essig und Worcestershiresauce dazukommen. Currypulver und Paprikapulver sorgen für Wärme und Farbe, eine Prise Zucker rundet die Säure ab. Wichtig ist, die Sauce wirklich einkochen zu lassen, statt sie nur kurz zu erhitzen – erst dann entwickelt sie die sämige Konsistenz, die man aus der Imbissbude kennt. Als Wurst eignet sich am besten eine feine Brühwurst ohne Darm, etwa eine Bockwurst oder ein Wiener Würstchen, die nach dem Braten in mundgerechte Stücke geschnitten wird.

Frage: Ist der Streit zwischen Berlin und Duisburg eigentlich ernst gemeint?

Halb und halb. Niemand in Berlin oder Duisburg würde wegen einer Wurst wirklich böse werden – aber der Lokalpatriotismus dahinter ist durchaus echt. Beide Städte haben ein Stück ihrer kulinarischen Identität in dieses eine Gericht investiert, und genau das macht den Streit so unterhaltsam. Es geht am Ende weniger um die Frage, wer zuerst da war, sondern darum, wer die Geschichte am besten erzählt. Und da hat Berlin mit Denkmal, Gedenktafel und offiziellem Aktionstag schlicht die besseren Karten auf dem Tisch.

Unser Vorschlag: Am 4. September eine Berliner Currywurst essen, am 22. September eine aus Duisburg – und dann selbst entscheiden. Mehr zu deutschen Streetfood-Klassikern findest du in unserem Aktionstag-Kalender und im Food-Day-Profil zur Currywurst.

Häufige Fragen

Welche Wurst eignet sich für Currywurst? Eine feine Brühwurst ohne Darm – meist eine Bockwurst oder ein Wiener Würstchen. Nach dem Braten wird sie in Stücke geschnitten.

Was kommt in die Currywurst-Sauce? Tomatenmark, Brühe, Essig, Worcestershiresauce, Currypulver, Paprikapulver und Zucker – einfach einkochen und abschmecken.

Wo schmeckt die Currywurst am besten? Berlin gilt als Currywurst-Hauptstadt – mit Konnopke's, Curry 36 und Knut als den bekanntesten Buden. Auch das Ruhrgebiet hat eine starke Currywurst-Tradition.

Stimmt die Duisburger Erfindungsgeschichte wirklich? Belegt ist sie nicht. Die Geschichte um "Peter Pomm" und das Jahr 1936 ist eine lokale Überlieferung ohne gesicherte Quellen – im Gegensatz zu Herta Heuweres dokumentiertem Patent von 1959.

Warum feiern Berlin und Duisburg an unterschiedlichen Tagen? Weil beide Städte ihre eigene Version der Erfindungsgeschichte für sich beanspruchen und entsprechend eigene Gedenktage etabliert haben – ein Streit, der sich bis heute nicht auflösen lässt.

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