Start/Blog/Paprika vs. Tomate vs. Aubergine – Die Sommer-Fruchtgemüse im Porträt
·4 Minuten Lesezeit

Paprika vs. Tomate vs. Aubergine – Die Sommer-Fruchtgemüse im Porträt

Paprika ist botanisch eine entschärfte Chili, Tomaten galten jahrhundertelang als Giftfrucht. Die kuriosesten Fakten zu den drei Nachtschattengewächsen des Sommers.

SaisonkalenderKüchenwissenVergleichGemüse
Paprika vs. Tomate vs. Aubergine – Die Sommer-Fruchtgemüse im Porträt

Drei Gemüse, die eigentlich keine sind. Paprika, Tomate und Aubergine haben botanisch mehr gemeinsam, als ihr Aussehen vermuten lässt – alle drei gehören zur Familie der Nachtschattengewächse, genau wie Kartoffel und Tabak. Wir haben die kuriosesten Fragen rund um das Sommer-Trio gesammelt und beantwortet.

Rote Paprika, Tomaten und Aubergine auf einem Holzbrett

Ist Paprika wirklich mit Chili verwandt?

Ja, total. Paprika gehört zur Gattung Capsicum – genau wie Chili, Jalapeño und Habanero. Der Unterschied liegt an einem einzigen Molekül: Capsaicin. Süße Paprika hat davon praktisch nichts (unter 100 Scoville-Einheiten), scharfe Chilis kommen auf mehrere Hunderttausend. Botanisch ist Paprika also eine "entschärfte" Chili-Sorte, die Menschen über Jahrhunderte gezielt auf Süße statt Schärfe gezüchtet haben.

Die Farbe verrät den Reifegrad, nicht die Sorte: Jede Paprika beginnt grün und wird – wenn man sie am Strauch lässt – erst gelb, dann orange, dann rot. Rote Paprika ist deshalb einfach länger gereift und enthält mit bis zu 140 mg Vitamin C pro 100 g fast dreimal so viel wie die grüne Variante.

Warum wurde die Tomate jahrhundertelang für giftig gehalten?

Weil die Angst nicht komplett unbegründet war – nur eben an der falschen Stelle. Tomatenpflanzen (Blätter und Stängel) enthalten tatsächlich das Alkaloid Tomatin, das in großen Mengen giftig wirkt. Als die Tomate im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Europa kam, aßen wohlhabende Europäer sie von Zinntellern – und das Fruchtsäure der Tomate löste Blei aus dem Zinn, was zu Vergiftungen führte. Die Tomate bekam den Ruf als "Giftapfel", dabei war das Geschirr das Problem.

Erst im 18. Jahrhundert setzte sich die Tomate in der europäischen Küche durch. Heute zählt sie zu den meistangebauten Nutzpflanzen weltweit – über 2.500 Sorten sind registriert, von der erbsengroßen Wildtomate bis zur kiloschweren Fleischtomate.

Stimmt es, dass man Auberginen früher "entwässern" musste, damit sie nicht bitter schmecken?

Früher ja, heute meistens nicht mehr. Alte Auberginensorten enthielten mehr Solanin und andere Bitterstoffe, weshalb das klassische "Salzen und ziehen lassen" nötig war, um Bitterkeit und überschüssiges Wasser zu entziehen. Moderne Zuchtsorten sind deutlich milder gezüchtet – bei ihnen bringt Salzen vor allem einen anderen Vorteil: Es reduziert die Fähigkeit des schwammigen Fruchtfleischs, beim Braten literweise Öl aufzusaugen.

Das cremige Innenleben der Aubergine hat einen einfachen Grund: Ihre Zellstruktur ist besonders locker und porös, mit viel Luft zwischen den Zellwänden. Beim Erhitzen kollabiert diese Struktur, das Fruchtfleisch wird butterweich – deshalb eignet sich Aubergine so gut für cremige Pürees wie Baba Ghanoush.

Aubergine, in Scheiben geschnitten, auf dem Grill

Welches der drei Gemüse ist am nährstoffreichsten?

Kommt drauf an, wonach man sucht. Rote Paprika gewinnt klar bei Vitamin C. Tomaten punkten mit Lycopin, einem Antioxidans, das durch Erhitzen sogar besser vom Körper aufgenommen wird – gekochte Tomatensauce ist in dieser Hinsicht "gesünder" als eine rohe Tomate. Auberginen liegen bei den meisten Vitaminen im Mittelfeld, enthalten aber besonders viele Ballaststoffe und das Antioxidans Nasunin, das sich in der violetten Schale konzentriert – ein Grund, sie möglichst ungeschält zuzubereiten.

Warum haben alle drei im Sommer gleichzeitig Saison?

Weil alle drei Wärme- und Lichtliebhaber sind, die in Deutschland ohne Gewächshaus erst ab Juni ausreichend Sonnenstunden bekommen. Paprika und Aubergine brauchen zudem eine lange, warme Vegetationsperiode von 4–5 Monaten, weshalb die Hauptsaison bei allen dreien zwischen Juli und Oktober liegt. Im Saisonkalender August erreichen sie gemeinsam ihren Höhepunkt.

Häufig gestellte Fragen

Warum sollte man Tomaten nicht im Kühlschrank lagern? Kälte unter 10 °C stoppt Enzyme, die für die Aromabildung der Tomate verantwortlich sind, und macht das Fruchtfleisch mehlig. Zimmertemperatur erhält Geschmack und Textur deutlich besser.

Kann man Paprikaschale mitessen? Ja, problemlos – die Schale enthält sogar zusätzliche Ballaststoffe. Bei stark gewachster Ware (oft bei Importware) lohnt sich gründliches Waschen oder Schälen.

Muss man Auberginen heute noch salzen? Bei modernen Sorten meist nicht mehr nötig für den Bitterstoffabbau, aber sinnvoll, um beim Braten weniger Öl aufzusaugen – 20 Minuten Salzen und Abtupfen genügen.

Was hat Paprika mit Kartoffeln zu tun? Beide gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) – ebenso wie Tomate, Aubergine, Chili und Tabak. Die Familie ist bekannt für Alkaloide, die je nach Pflanzenteil und Sorte in unterschiedlicher Konzentration vorkommen.

← Zurück zum Blog

Fragen oder Feedback zum Artikel? Schreib uns direkt.

Blog-Newsletter

Kein Spam. Jederzeit kündbar.