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Wildkräutersammlung im Juli: Giersch, Brennnessel, Holunder & Löwenzahn

Giersch, Brennnessel, Holunderblüte und Löwenzahn: wie man die vier Wildkräuter des Juli richtig sammelt, verarbeitet und für den Winter haltbar macht.

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Wildkräutersammlung im Juli: Giersch, Brennnessel, Holunder & Löwenzahn

Korb mit frischen Wildkräutern – Giersch, Brennnessel, Holunderblüten und Löwenzahn auf einer Wiese im Sonnenlicht

Es gibt eine stille Ironie im Garten des Juli: Was der eine als Unkraut ausreißt, sammelt der andere in einem Weidenkorb. Giersch, Brennnessel, Holunderblüte und Löwenzahn wachsen genau dort, wo niemand sie hinpflanzt – am Wegesrand, im Schatten der Hecke, zwischen den Ritzen alter Steinmauern. Vielleicht liegt genau darin ihr Wert: Sie verlangen nichts vom Menschen, außer Aufmerksamkeit.

1. Giersch – der Verkannte

Kaum eine Pflanze hat einen schlechteren Ruf als Giersch. Gärtner bekämpfen ihn seit Generationen, weil sein Wurzelgeflecht sich unaufhaltsam ausbreitet. Dabei ist Giersch reich an Vitamin C, Eisen und Mineralstoffen – mehr, als die meisten Kulturkräuter bieten. Sein Aroma erinnert an Petersilie mit einer feinen, erdigen Note.

Verwendung: Roh im Salat, fein gehackt in Kräuterquark, oder als Basis für ein Pesto – einfach die Petersilie im klassischen Rezept durch junge Giersch-Blätter ersetzen. Am aromatischsten sind die Blätter vor der Blüte, danach werden sie zäher und bitterer.

2. Brennnessel – die Unterschätzte

Die Brennnessel verteidigt sich mit feinen Brennhaaren – wer sie einmal blanchiert oder trocknet, nimmt ihr diese Waffe und gewinnt dafür ein echtes Superfood: hoher Eiweißgehalt, viel Magnesium, dazu Kieselsäure, die traditionell für Haut und Haar geschätzt wird.

Verwendung: Jung geerntet (Handschuhe nicht vergessen) lässt sie sich wie Spinat verarbeiten – kurz blanchiert verliert sie ihre Brennwirkung vollständig. Als Suppe, in der Quiche oder getrocknet als Tee ist sie das ganze Jahr über haltbar.

3. Holunderblüte – die Flüchtige

Nur wenige Wochen im Jahr duften Holunderbüsche betörend süß – wer diesen Moment verpasst, muss ein Jahr warten. Die cremeweißen Blütendolden verwandeln sich in Sirup, Gelee oder klassisch im Ausbackteig zu einer Sommerspeise, die nach nichts anderem schmeckt.

Verwendung: Für Sirup die Blüten mit Zitronensäure, Zucker und Wasser ansetzen und mehrere Tage ziehen lassen, bevor abgeseiht und eingekocht wird. Wichtig: Nur die Blüten verwenden, Stängel und unreife grüne Beeren enthalten das leicht giftige Sambunigrin.

4. Löwenzahn – der Unterschätzte Alleskönner

Kaum eine Pflanze wird so gründlich verkannt wie der Löwenzahn – als Kinderspielzeug für Pusteblumen, als Rasen-Ärgernis, selten als das, was er ist: eine vollständig essbare Pflanze von der Wurzel bis zur Blüte. Die jungen Blätter schmecken angenehm bitter und eignen sich als Basis für einen Salat, der die Verdauung anregt.

Verwendung: Blätter roh im Salat, Blüten zu Gelee oder "Löwenzahnhonig" verarbeitet, die Wurzel geröstet und gemahlen sogar als koffeinfreier Kaffee-Ersatz. Am mildesten schmecken die Blätter im zeitigen Frühjahr, im Juli sind sie kräftiger und bitterer – für manche gerade deshalb interessanter.

Löwenzahnblätter und Blüten in einer Sammelschale

Wie man richtig sammelt

Wildkräutersammeln folgt eigenen, stillen Regeln:

  • Ort wählen: Abstand zu Straßen, gedüngten Feldern und Hundewegen halten – mindestens 50 bis 100 Meter, da Schadstoffe und Keime sich über Wind und Regen verteilen.
  • Zeitpunkt wählen: Am besten am Vormittag, wenn der Tau bereits abgetrocknet, die Mittagssonne aber noch nicht zugeschlagen hat – dann sind die ätherischen Öle am konzentriertesten.
  • Maßvoll ernten: Nie mehr als ein Drittel eines Bestands abernten, damit sich die Pflanze regenerieren kann und andere Sammler sowie Insekten etwas übrig bleibt.
  • Sicher bestimmen: Im Zweifel nicht sammeln – Doldenblütler etwa haben giftige Doppelgänger, die selbst erfahrene Sammler verwechseln können.

Haltbarmachen für den Winter

Wer im Juli mehr sammelt, als er sofort verarbeiten kann, hat drei bewährte Wege: Trocknen (luftig, schattig, ausgebreitet über mehrere Tage), Einfrieren (blanchiert, in Eiswürfelform mit etwas Wasser oder Öl) oder die Verarbeitung zu Kräutersalz, Pesto und Sirup, die sich Monate im Kühlschrank oder Vorratsschrank halten.

Häufig gestellte Fragen

Kann man alle vier Wildkräuter roh essen? Giersch und Löwenzahn ja, roh im Salat. Brennnessel nur nach Blanchieren oder Trocknen, da die Brennhaare sonst reizen. Holunderblüten sind roh essbar, die Stängel und unreifen Beeren jedoch nicht.

Wie erkennt man giftige Doppelgänger? Am zuverlässigsten mit einem Bestimmungsbuch oder einer Pflanzen-App, die mehrere Merkmale (Blattform, Stängel, Standort) gleichzeitig abgleicht. Bei Doldenblütlern (mit denen Giersch verwechselt werden kann) im Zweifel besser nicht sammeln.

Wie lange sind eingefrorene Wildkräuter haltbar? Blanchiert und gut verpackt bis zu einem Jahr, ohne merklichen Aroma- oder Nährstoffverlust.

Warum sollte man nur ein Drittel eines Bestands ernten? Damit sich die Pflanze über die restliche Saison regenerieren kann und der Bestand auch im nächsten Jahr erhalten bleibt – ein Grundsatz aus der traditionellen Wildsammler-Praxis.

Mehr saisonale Wildkräuter und Rezeptideen gibt es im Saisonkalender Juli und auf unserer Übersicht der Aktionstage.

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